Drogenkartelle, Rebellen und unbekannte Steinfiguren

Nun ging es für mich weiter nach Kolumbien.
Dem Land der Drogenmilliardäre und Paramilitärs. An jeder Ecke bekommt man Waffen und Drogen zu kaufen und wenn man nicht aufpasst ein verirrte Kugel ab.
 
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So oder ähnlich stellen sich die meisten Leute Kolumbien vor. Das war vielleicht auch mal so zu Zeiten von Miami Vice wo 90 Prozent des weissen Pulvers aus dem nördlichsten südamerikanischen Staat in die USA verschifft wurde.
Dabei fing alles mit der Produktion von Marihuana und dem Handel mit den Vereinigten Staaten in den 60er Jahren an.
Irgendwann kamen sie in den USA darauf das Gras selbst anzubauen und da in Kolumbien die Kokapflanze auch sehr gut wächst und nicht in Amerika anzubauen war verlagerte sich das Geschäft auf die Produktion und Vertrieb des weissen Pulvers. Die Gewinnmargen waren dabei natürlich um einiges höher.
Sehr schön dazu ist die Story vom Medellin und vom Cali Kartell.
 
Der Aufstieg des Medellin-Kartells war durch die starken sozialen Spannungen, großen Klassenunterschiede und die durch den anhaltenden Bürgerkrieg große Gewaltbereitschaft im Land mit bedingt. Noch in den 1970er Jahren besaß 20 % der oligarchischen Oberschicht 70 % der Rohstoffe Kolumbiens.[6]
 
Kolumbien ist ein Land, das im 19. Jahrhundert stehengeblieben ist. Und es hat nach Brasilien die inegalitärste Gesellschaft Lateinamerikas, die elitärste, hierarchischste Gesellschaft mit den schärfsten Klassengegensätzen. Nur in der arabischen Monarchie gibt es eine so fantastische Machtkonzentration. Kolumbien ist ein Land, in dem es keine soziale Mobilität gibt. Der Drogenhandel ist vielleicht so etwas wie eine krankhafte Antwort auf eine allzu starre Struktur, denn er gibt den Leuten die Möglichkeit, die Etappen des sozialen Aufstiegs zu überspringen.“
 
  • Jorge Gaitán am 24. Oktober 1989 in Paris[7]
 
Unser Ziel ist antiimperialistisch und antioligarchisch. Dank dem Koka wäre die lateinamerikanische Revolution möglich, denn ich glaube, dass Koka die Atombombe Lateinamerikas ist. Die Yankees nehmen unsere Reichtümer weg. Gold, Smaragde, Erdöl, Kaffee, Bananen. Wir holen uns nur die Dollars zurück, die uns Kolumbianern gehören. Und es ist unsere Sache, was wir damit machen.“
 
Carlos Lehder[17]
 
Die Mitglieder des Kartells organisierten den Kauf und Transport der Coca-Paste aus Bolivien und Peru, errichteten Labors zur Kokain-Veredelung und Landebahnen im Dschungel, die häufig über Tarnvorrichtungen und Technik zum Aufspüren von Radar-Flugzeugen der Anti-Drogenbehörden verfügten.
 
 
 
Nachdem Pablo Escobar im Dezember 1993 erschossen wurde und das Medellín-Kartell zersplitterte, übernahm die Konkurrenz aus Cali rasch den frei gewordenen Markt. Als die Nachfrage in den USA die Sättigungsgrenze erreichte, wurde verstärkt auf den Export nach Europa und Asien gesetzt.
 
Im Gegensatz zum Medellín-Kartell versuchte das Cali-Kartell nicht durch die direkte Konfrontation mit dem Staat, sondern durch Unterwanderung und Korruption seine Interessen durchzusetzen. So investierten sie auch in den Wahlkampf des Präsidenten Ernesto Samper.[15] Durch die Veröffentlichung der sogenannten „Narco-Kassetten”[16] kam dieser Skandal ans Licht. Samper war nun gezwungen, hart gegen das Cali-Kartell vorzugehen, um seine Unabhängigkeit zu beweisen.
 
Das Cali-Kartell wurde vom DEA-Kommandeur Thomas Constantine[17] folgendermaßen bezeichnet:
The Cali Cartel is the biggest, most powerful crime syndicate we've ever known.”
 
Das Cali-Kartell ist das größte und machtvollste kriminelle Syndikat, das wir jemals kennengelernt haben.“
  • Thomas Constantine, DEA Administrator[18]
 
 
 
Aber irgendwann wurden die Drogenbarone zu mächtig und Onkel Sam pumpte Milliarden von Dollars in das Militär von Kolumbien so das der Staat inzwischen zu einem Vasallen der amerikanischen Aussenpolitik verkommen ist.
 
Die Lebenshaltungskosten sind von den Ländern die ich bisher in Südamerika bereist habe die höchsten, nur das Einkommen unterscheidet sich in keinster Weise von dem der anderen Länder.
Die Busfahrten sind ziemlich teuer und Unterkünfte bekommt man nicht unter 10,- Dollar die Nacht.
 
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Die FARC, eigentlich F.A.R.C.-E.P. (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia – Ejército del Pueblo – Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens – Volksarmee), sind eine linksgerichtete, sich selbst als marxistisch bezeichnende kolumbianische Guerillabewegung, die seit dem Jahr 1964 einen bewaffneten Kampf gegen den kolumbianischen Staat, seine Repräsentanten, die kolumbianische Armee sowie gegen rechtsgerichtete paramilitärische Gruppen und Drogenkartelle führt, aber auch Unbeteiligte und Zivilisten zum Ziel einiger ihrer gewalttätigen Aktionen macht.[1] Die FARC-EP ist gegenwärtig die größte und aktivste Guerillaorganisation Lateinamerikas. 
 
 
Dies Organisation hatte sich zur Aufgabe gemacht die poltische Situation in Kolumbien zu verbessern.
Seid einigen Jahren hat aber das Militär die Oberhand und man wird allenthalben auf den Strassen von schwerbewaffneten Straßensperren aufgehalten und meistens auch kontrolliert.
Da die Organisation in den letzten Jahren aktiv im Drogenhandel verwickelt war hat sie den grössten Rückhalt in der Bevölkerung ebenfalls verloren.
Seid Ende 2012 sitzt sie mit der Regierung am Verhandlungstisch und inzwischen sind sie sich schon ein grosses Stück n&¨her gekommen.
 
Regierung und Farc einigen sich auf Landreform
 
Die Verhandlungen zwischen Kolumbiens Regierung und den Farc-Rebellen haben eine wichtige Hürde genommen: In der Frage der Landverteilung gab es eine Einigung.
 
Die Frage nach der Agrarreform ist der erste von fünf Punkten der vereinbarten Friedensagenda und gilt als zentraler Punkt für den weiteren Erfolg der Gespräche. Daneben geht es in den Verhandlungen um die politische Beteiligung der Rebellen, dem Ende des Drogenhandels, die Entwaffnung der Rebellen und die Entschädigung der Opfer des Konflikts. Der jetzige Friedensdialog hatte im November vergangenen Jahres begonnen und finden unter der Schirmherrschaft Kubas und Norwegens statt. Seit Beginn der Gespräche verhandelten die Regierung und die Farc fast ausschließlich über die Landreform. Nach einer mehrtägigen Pause soll als nächstes das Kapitel politische Beteiligung der Rebellen angegangen werden.
 
 
 
Am 18. Oktober 2012 haben in Oslo die Friedensgespräche zwischen der Regierung und den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC) begonnen, die zu einem Ende des fast 50 Jahre andauernden bewaffneten Konflikts f&¨hren sollen. Norwegen und Kuba fungieren als Garanten, Venezuela und Chile als Begleiter des Friedensprozesses. Ab dem 19. November wurden die Gespräche in Havanna fortgesetzt, bei dieser Gelegenheit erklärten die FARC einen einseitigen Waffenstillstand bis zum 20. Januar 2013. Bereits im Vorfeld hatte die Guerilla eine bilaterale Waffenruhe während der Verhandlungen vorgeschlagen. Dies lehnt die Regierung von Präsident Juan Manuel Santos bis heute ab.
 
Im Mittelpunkt der Gespräche stehen die sechs Themen Landreform, Demokratisierung und politische Beteiligung der Bürger, Ende des Konfliktes und politische Integration der Guerilla, Lösung des Problems der illegalen Drogen, Entschädigung für die Opfer, Durchführung und Verifizierung des Friedensabkommens.
 
 
So wie es aussieht steht es mit dem Frieden in Kolumbien nicht zum schlechtesten.
Wenn es noch in die Konzeption des grossen amerikanischen Bruders passt dann dürfte dies zu weitreichenden Veränderungen führen.
 
Die Farc ist erst einmal ruhig gestellt und die grossen Kartelle aufgelöst, so stand meinem Bustrip durch Kolumbien ja nichts mehr im Wege.
 
Zuerst fuhr ich in Quito in einer Stunde über die Ofelia Station zum Terminal Carcelem und kaufte mir ein Busticket für 5 Dollar nach Tulcan.
Da man in Ecuador für eine Stunde Busfahrt im Schnitt einen Dollar bezahlt könnt ihr euch ja ausrechnen wie lange ich unterwegs gewesen bin.
In Tulcan stand ich dann fragend am Busbahnhof. Man kann von hier einen Bus zur Grenze nehmen. Ich entschied mich aber für die Luxusvariante und bin in 15 Minuten mit dem Taxi für 3,50 Dollar durch die Ortschaft zur Grenzstation gefahren.
 
An der Grenze bekommt man dann den Ausreisestempel aus Ecuador und hundert Meter weiter sehr unproblematisch den Einreisestempel für Kolumbien ohne irgend etwas dafür auszufüllen.
 
Von hier bin ich für 1500 Cop (etwa 60 Cent) mit einem Sammeltaxi in 20 Minuten nach Ipiales weitergefahren.
Eigentlich wollte ich mir eine Kirche anschauen (Las Lajas (voller Name: El Santuario de la Virgen del Rosario de Las Lajas en Ipiales) welche spektakulär über einer Schlucht gebaut wurde.
Aber da es anfing wie aus Eimern zu gießen und nicht aufhören wollte bin ich direkt in 2 Stunden für 6000 Cop nach Pasto weitergefahren.
 
 
Meine erste Ortschaft in Kolumbien hat nicht wirklich was aufregendes an sich. In der Nähe gibt es die Laguna de la Cocha zu der ich vom Hospital Departamental für 3900 Cop in 40 Minuten mit einem Minibus hingefahren bin.
Die Ortschaft dort gleicht einem buntem Mix von Häusern und Gaststätten die teilweise über einen Kanal zu erreichen sind und erinnern irgendwie an den Schwarzwald. Ich glaube in bald jedem Haus war eine Wirtschaft untergebracht.
Dazu gibt es eine kleine Insel mit dem kleinsten Naturpark Kolumbiens über welche man laufen kann.
Ich habe mich mit einem der bunten Schiffe übersetzen lassen und dummerweise den Preis falsch verstanden. Über die unspektakuläre Insel läuft man 40 Minuten und muss dort 1000 Cop Eintritt entrichten. Anschliessend sind wir mit dem Schiff einmal um selbige gefahren und haben noch ein paar Fischreusen von weitem betrachtet.
Für umgerechnet 35000 Cop (15 Euro) hat der Bootsbesitzer wahrscheinlich seine Tageseinnahmen an mir in einer Stunde Verdient. Und ich dachte er meinte 3500….
Mit einem Sammeltaxi ging es für den gleichen Preis zurück nach Pasto und nach einer weiteren Nacht bin ich nach Mocoa weitergefahren.
 
Für 35000 Cop ging es über die sogenannte Teufelspiste in früheres FARC Gebiet direkt am Jungel. 5 Stunden Achterbahnfahrt waren ihr Geld schon wert.
 

 
Die Strasse war zwar nicht Asphaltiert aber mit relativ festen Steinen befestigt. Nur die Kurven hatten es in sich und als es zum Ende hin anfing zu Nieseln und wir durch Wolken gefahren sind kam mir der Weg erst richtig gefährlich vor.
War aber immer noch harmloser wie unsere Busfahrt in Nepal nach Muktinath.
Mocoa liegt direkt am Amazonas Jungel und die feuchtschwüle Luft hat mich nur eine Nacht dort verweilen lassen.
Die Unterkunft hatte auch ihres dazu beigetragen. Sie lag zwar sehr nett an einem Fluss aber leider war die Strasse nicht sehr weit entfernt. Und irgendwie muss hinter Mocoa im Jungel eine Erdölquelle liegen denn es fahren im Minutentakt Tanklaster in und aus dem Jungle. Das hätte mich auch weiter nicht gestört wenn nicht neben der Herberge ein Geschwidigkeitsbuckel auf der Strasse lag. Diese Hügel kannte ich schon aus Asien. Man muss dort sehr langsam rüber fahren weil sonst die Achse im Eimer ist.
Und wenn ein LKW anfährt dann gibt es so ein tolles tiefes Brummen bei dem sogar die Glasscheiben anfangen zu vibrieren. Nettes Gefühl nur leider etwas Nervig morgen ums 5..
 
Also ging es etwas unausgeschlafen weiter nach San Agustin.
 
 
Dazu bin ich für 20000 Cop in 2,5 Stunden nach Pitalito gefahren und wenn man aufpasst kann man noch vor der Ortschaft an der Abfahrt nach San Agustin aussteigen. Von Pitalito fährt man mit einem Sammeltaxi für 5000 Cop in einer halben Stunde etwas höher in die Berge.
Tolle Ortschaft, super Klima und dazu noch alte Monolithen und Gräber welche bis zu 3500 vor Christus datiert werden.
 
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Welche Kultur uns hier Ihre Werke überliefert hat ist leider nicht bekannt da niemand was schriftliches hinterlassen hat. Das einzige was man sagen kann das sie es wirklich drauf hatten ihre Steine zu bearbeiten. 
Und das mit einfachsten Werkzeugen (so kann man das überall nachlesen) da man neben den Figuren keinen Hammer und Meißel fand. Was das aber bedeutet erklärt keiner. Haben die Leute damals etwa mit einem Stock und etwas Gras ihre Figuren bearbeitet?
 
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Also wirklich, etwas mehr Fantasie hätte ich den Forschern dann doch zugetraut.
Ich bin hier jedenfalls zwei Wochen geblieben da mir die Gegend unheimlich gut gefiel und mein Zimmer einen Panoramablick über die Ortschaft bot.
Die Unterkunft war echt Traumhaft und ich kann das Casa Nelly nur jedem ans Herz legen der in der Gegend ist!
 

Bis vor ein paar Jahren war auch das Gebiet um San Agustin Rebellengebiet. Aber das hat sich zum Glück geändert und wie oben beschrieben stehen die Verhandlungen zwischen der Regierung und der Farc momentan gar nicht so schlecht.

 

2 Kommentare

  1. High Mike,

     

    Du siehst auf den Fotos aus wie der alte gute von Humboldt, mensch die Augenränder scheinen ja auf guten  Stoff hinzuweisen ("COCA-Blätter). Der Seppi hat jetzt gerade seine "Tage", von wegen Zensur wegen meiner anspielunng lebensotwendige essentielle Lebenselexil der Anden "COCA". 

    Man schreibt so was nicht ertönt das unersättliche vole Seppigeschrei! mir mitten ins Ohr. Er hat Angst um Dich, da er befürchtet COCA=COCAIN was ja nicht so ist.

    Ich grüsse Dich, küsschen ich armes Schwein maloche und Du huscht von Expedition zur Expedition, aber egal wo Du bist Dein Damie ist bei Dir!!!!

     

    Hi Mike ich bins jetz mal der Seppi, bin jetzt schon seit einiger Zei Bodyguard wa r unter anderm in Saudi Arabien und hab gerade eine Ausbildung für das Kriegsgebiet hinter mir was ich aber nicht wußte und nun warte ich wieder auf ein adequates Jobangebot in diesem Bereich . Ich bin stolz auf dich und deine uneternehmungen und wünsche Dir noch viel spaß bei deinen Unternehmungen. Der Damie arbeitet momentan im Facility Management und ist immer noch verrückt so wie man ihn kennt. 1000 Homboy Küsse von Damie und Seppi meine e-mail habe ich mal entfernt…

    • Ja servus euch beiden! 

      hat mich sehr gefreut mal wieder ein lebenszeichen von euch zu hören bzw zu lesen!

      Ich bin gerade in Venezuela am grössten wasserfall der welt. bzw kurz davor aber ich fliege die tage dann zu den angel falls…

      die coca blätter sind natürlich noch alle im gepäck, ab und an nen tee kann ja nicht schaden 🙂 

      ich mach aber nicht mehr lange und komme ende juli mal wieder nach berlin….

      vielleicht sieht man sich ja dann auch mal wieder auf ne geflegte runde rotwein 😉

      ja seppi, da haste doch nen beruf mit zukunft gelernt, krisen und kriegsgebiete werden sich wahrscheinlich die nächsten jahre ausweiten wenn die amis so weitermachen ….

      sonnige grüsse vom orinoco, sitz grad im schatten am fluss…. 

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