Wo Benzin billiger ist wie Wasser!

Nach meiner ersten Schwarzgeld Wechselaktion setzte ich mich in den Bus von Maracaibo nach Coro (110 Bfs) wo ich 4 Stunden später durchgefroren ankam. In Kolumbien übertreiben sie ja meist schon in den Bussen mit ihrer Klimaanlage aber in Venezuela spinnen sie….
Die Fenster der Busse(der Autos sowieso) sind verdunkelt, dazu hängen noch Vorhänge an selbigen und vor der Tür ist auch ein dicker Vorhang angebracht.
Die Gardinen aufzuziehen ist verpönt und man muss um etwas von der Landschaft zu sehen selbige mit der Hand aufhalten.
Nur gut das ich fast an der Tür sass, so kam wenigstens ab und an ein wenig Warmluft hinein.
 
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Coro ist eine kleine Ortschaft welche auf der Liste der Weltkulturerbe steht.
Die Ortschaft war einmal die Hauptstadt Venezuelas und hat sich ihren kolonialen Charme erhalten auch wenn die Häuser langsam am zerfallen sind.
Komischerweise traf ich in der Posada, so werden hier die meisten Unterkünfte genannt, drei deutsche die jeweils unabhängig herumreisten. Ansonsten waren in Venezuela nicht viele Touristen unterwegs.
Das Land hat momentan einen sehr schlechten Ruf unter den Reisenden und bevor ich eingereist bin hatte ich auch so meine Zweifel ob es hier sicher ist.
Aber wenn man sich an die allgemeinen Regeln hält und auch noch die Ratschläge der Einheimischen befolgt ist es nicht ungefährlicher wie jedes andere südamerikanische Land. In Coro soll man nachts nur noch mit Taxi fahren da die Strassen menschenleer sind und es öfters zu Überfällen kommt.
Am zweiten Tag habe ich mir mit einem deutschen die Sand- und Wanderdünen angeschaut welche direkt vor der Ortschaft liegen. Das ist schon merkwürdig, man fährt an einen Parkeingang und steht auf einmal in der Wüste.
Dabei trafen wir einen Medizinstudenten welcher einige Zeit in Deutschland verbrachte und der uns etwas zum Land erzählt hat.
 
Nach Chavez Tod Anfang des Jahres wurden Neuwahlen angesetzt und Maduro gewählt den bis dahin niemand kannte. Chavez Konterfei ist überall zu sehen und man merkt das er wie ein Volksheld verehrt wurde.
 
Am 6. Dezember 1998 wurde Hugo Chávez, der Gründer der Movimiento Quinta República und Anführer eines Putschversuches gegen die venezolanische Regierung unter Carlos Andrés Pérez (1992), mit 56 Prozent der Stimmen zum Präsidenten gewählt. Chávez war ein Verfechter der Bolivarischen Revolution, seine erklärten Ziele waren der Kampf gegen Korruption, die Schaffung und Stärkung möglichst direkter Demokratie, sowie die nationale und ökonomische Unabhängigkeit.
 
Er hat auch wirklich viel für die Armen gemacht und im ganzen Lande Sozialprogramme aufgelegt. Dabei hat er aber mit zweierlei maß regiert.
Er hat ständig gegen die Amerikaner gewettert und war doch durch den Ölexport von selbigen abhängig genau wie die Amerikaner von Venezuela.
Venezuela ist mit das amerkanischste Land in Südamerika. Die Länder welche sich am meisten gegen Amerika stellen sind, was die äussere Erscheinung anbelangt am amerikanischsten. Man bekommt zb an den Strassenständen überall Burger und Hot Dogs zu kaufen.
Chavez hat zwar sehr viel für die armen Leute gemacht aber gleichzeitig auch die Machtelite weiter walten und schalten lassen.
Er hat leider nie die Korruption in den Griff bekommen. Es heisst das die alten Kader mit den Öl Milliarden auch weiterhin ordentlich leben konnten.
 
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Das Problem ist, dass ein «revolutionäres» Projekt, das die Arbeiterklasse nicht an die Macht bringt, darin enden wird, die Macht an die einzige andere Klasse zurückzugeben, die in der modernen Gesellschaft herrschen kann – die Bourgeoisie. Die wütende Opposition dieser Klasse gegen Chávez und seine Politik verdunkelt diesen Tatbestand – Chávez’ gemischte, schwarzafrikanische und indigene Urspr&¨nge, die er mit der Mehrheit der venezolanischen Bevölkerung teilt, haben dazu beigetragen, dass ihn der wohlhabendere Teil der Gesellschaft, der überwiegend weißer, europäischer Herkunft ist, verabscheut.
 
Bei all seiner Rhetorik vom «Sozialismus des 21.Jahrhunderts» hatte Chávez nicht vor, die Bourgeoisie als Klasse zu enteignen. Zu seiner politischen Koalition gehörten politische Barone, die enge – und einträgliche – Verbindungen zu Geschäftsleuten unterhalten, die unter dem neuen Regime aufblühten und sich den Titel «Boli-Bourgeoisie» einhandelten.
 
Chávez’ politische Unterstützung für arbeiterfeindliche Regime wie das von Ahmadinejad, Putin, Lukaschenko und das der chinesischen Staatskapitalisten war nicht nur Ausdruck der Notwendigkeit, sich mit anderen gegen die US-Dominanz zu verbünden, sondern auch eines Verst&¨ndnisses von Antiimperialismus und internationaler Solidarität, das nicht in der Arbeiterklasse wurzelt.
 
Vor einigen Jahren war er sauer auf Kolumbien da die mit amerikanischer Hilfe ein FARC Lager auf venezolanischer Seite angriffen. Daraufhin hat er seine Armee aufmarschieren lassen und Richtung Kolumbien geschickt. Auf den Grenzstrassen gab es einen 70 km langen Rückstau bis er merkte das es eine verrückte Idee wäre in Kolumbien einzumarschieren. Daraufhin stellte er allerdings den Import von Lebensmitteln aus dem Nachbarland ein. Dummerweise bezieht Venezuela einen grossteil seiner Lebensmittel aus Kolumbien. Um den Mangel auszugleichen kaufte er nun bei Argentinien ein welche allerdings nicht so schnell viel mehr Lebensmittel produzieren konnten. Diese kauften nun die Lebensmittel beim Nachbarn Kolumbien und verkauften sie an Venezuela mit einem kräftigen Aufschlag.
 
Venezuela ist durch sein Öl ein ziemlich reiches Land.
Die Landwirtschaft konnte einen grossteil der Nahrung produzieren und es musste nicht viel an Nahrung importiert werden. Nun kam man aber auf die tolle Idee die Großgrundbesitzer zu enteignen und die Felder unter der armen Bevölkerung zu verteilen.
Das mit der Landwirtschaft war allerdings einmal eine alte fehlwirtschaft und nicht Chavez verdienst.
Diese haben aber durch die Förderprogramme genug zum leben und zum essen so das nun ein Grossteil der enteigneten Felder brach liegen.
 
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Verschiedene Güter für den täglichen Bedarf sind rationiert. Man muss beim Einkaufen immer seinen Ausweis bzw die Nummer darauf vorzeigen.
Beispielsweise darf man pro Tag ein Kilo Mehl, ein Kilo Reis, 38 Eier, eine Tube Zahnpasta, eine Rolle Toilettenpapier usw einkaufen. Wohlgemerkt, pro Tag! Wenn man mehr braucht dann muss die ganze Familie mitkommen, vom Baby bis zum Greis darf pro Person eingekauft werden.
Also für mich ist das keine Rationierung, das hat eher etwas mit Überwachung zu tun.
Das Problem an der Sache ist wenn nun die Rationierung aufgehoben würde, würden die Leute in die Geschäfte stürmen und die Sachen welche vorher beschränkt waren in Massen kaufen.
Es ist eigentlich nur bescheuert.
 
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Und so geht das halt weiter. Benzin kostet pro Liter 4 Cent, ist somit billiger wie Wasser. Deshalb fahren im ganzen Land auch die fetten amerikanischen Schrottwagen herum. Eigentlich bewegen sich alle Leute nur mit dem Auto. 
Diese haben auch alle durch die Bank ob alt oder neu Beulen. Ich habe zwar keine Unfälle gesehen aber irgendwie scheinen die Leute kein Auto fahren zu können.
 
Die staatliche venezolanische Erdölgesellschaft PDVSA versorgt seit dem Jahr 2005 Bedürftige in den USA in den Wintermonaten mit verbilligtem Heizöl. Im Winter 2007/2008 wurden 112 Millionen Gallonen Heizöl (1 Gallone = 3,8 Liter) zu einem 40 % unter dem Marktwert liegenden Preis in 16 Bundesstaaten zur Verfügung gestellt. Die Verteilung an Bedürftige geschieht in Zusammenarbeit mit der US-amerikanischen Sozialorganisation Citizens Energy.[38]
 
Im Februar 2007 wurde ein bereits im Mai 2005 von Hugo Chávez vorgeschlagenes Abkommen zwischen Venezuela und der Stadt London geschlossen, in dem das staatliche venezolanische Erdölunternehmen Petróleos de Venezuela sich verpflichtet, London bei Öllieferungen einen Preisnachlass von 20 Prozent zu gewähren, um mit den dadurch erzielten Einsparungen von umgerechnet 23 Millionen Euro eine Verringerung der Fahrpreise für Busse und U-Bahnen um 50 Prozent für bis zu 250.000 Bedürftige zu finanzieren. Als Gegenleistung erklärt sich London bereit, Venezuela seine Kenntnisse bei Recycling, Abfallwirtschaft, Verkehrsplanung und der Verringerung des klimaschädlichen CO2-Ausstoßes zur Verfügung zu stellen. Der Londoner Oberbürgermeister Livingstone sprach von einem „unglaublich großzügigen Angebot“. Der neue Londoner Bürgermeister Boris Johnson hat das Abkommen 2008 jedoch wieder r&¨ckgängig gemacht „Viele Londoner hätten nicht verstanden, wieso Buslinien in einer der reichsten Städte der Welt von Menschen in einem Land finanziert werden müssen, in dem viele in extremer Armut lebten“ erklärte Johnson. Das Büro in Caracas, das die Zusammenarbeit regelte, werde geschlossen.
 
Das gefährliche im Land, weshalb auch der Ruf im Eimer ist, sind die hohe Anzahl an Waffen welche im Umlauf sind.
Nachdem Chavez in den Anfangsjahren seiner Regierungszeit geputscht wurde bzw es versucht wurde verteilte er unter seinen Anhänger im ganzen Land Waffen, damit diese beim Einmarsch der Amerikaner sich verteidigen konnten.
Damit hat er zwar eine gute Abschreckung geschaffen aber gleichzeitig schnellte die Mordrate in die Höhe welche sich auf dem hohen Stand leider auch halten konnte.
Es haben sich einige der gefährlichsten Banden der Welt hier gegründet. Dazu haben auch wieder die Amerikaner kräftig zu beigetragen.
Nachdem die Bandenmitglieder der amerikanischen Vorstädte ihre Haftstrafen abgesessen hatten wurden selbige in ihre Heimatländer abgeschoben. Dazu zählten auch eine Menge Venezolaner. Diese waren natürlich die Vorbilder der Kids hier und sie gründeten ihre eigenen Banden mit guten Kontakten zu den amerikanischen.
Und durch die Bewaffnung derselbigen hat Chavez sich ein Eigentor geschossen.
 
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Die Sanddünen welche wir in Coro besuchten wurden auch vor einigen Jahren für Partys genutzt. Dies wurde aber inzwischen von der Polizei untersagt, weil sich zu viele besoffene Kids gegenseitig erschossen haben.
Man bekommt auch keinen Alkohol an den Buden zum Eingang der Dünen.
Am folgenden Tag sind wir zusammen mit unserem neuen Freund noch zu einigen steuerfreien Einkaufszentren auf der vorgelagerten Halbinsel gefahren. Wirklich günstig war hier aber nur der Alkohol.
Da es etwas zu späte war zu dem eigentlichen Ziel, einem Aussichtspunkt am Ende der Insel zu fahren haben wir noch eine Shoppingmail besucht. Ich schrieb ja schon, alles amerikanisiert hier.
 

 

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